Wir freuen uns, dass wir jede Woche die Stunde des Brotbrechens feiern können. Es ist eine Stunde, die ausschließlich Glaubensgeschwistern vorbehalten ist, also Menschen, die Vergebung ihrer Sünden durch den Herrn Jesus Christus erfahren haben.
Wir bitten um Nachsicht, wenn wir mit Gästen, die uns nicht kennen und die wir nicht kennen, vor der Teilnahme an Brot und Wein ein persönliches Gespräch führen wollen, in dem wir auch über unser Verständnis zu dieser Stunde orientieren wollen.
Für das Studium dieses Themas ist es empfehlenswert, den begleitenden Text aus 1Kor 11,17-34 zu lesen. Die zitierten Bibelstellen sind der Elberfelder Übersetzung in alter, nicht überarbeiteter Fassung entnommen.
Der erste Korintherbrief gibt Orientierung an Glaubensgeschwister und an Gemeinden. Es gibt Passagen, die sich auf den privaten Bereich konzentrieren (1Kor 6,12ff) und Passagen, die eindeutig die Versammlung ansprechen (1Kor 5). Es gibt Passagen, in denen sich beide Bereiche abwechseln (1Kor 6,1-11). Der Zusammenhang ergibt in der Regel einen guten Überblick.
Das hier behandelte Kapitel 11 stellt sicher einen besonderen Abschnitt im ersten Korintherbrief dar. Die ersten 15 Verse werden häufig als Orientierung für die Versammlung gesehen. Sie beziehen sich aber auch auf den privaten Bereich. Dieser erste Abschnitt endet mit: „so haben wir solche Gewohnheit nicht, noch die Versammlungen Gottes.“. Die vorhergehenden Aussagen betreffen also das persönliche Leben in der Nachfolge Jesu und reichen in die Versammlung hinein.
Und nun gibt Paulus die erste Anordnung, wenn Geschwister als Versammlung zusammenkommen (vgl. 11,34b). Eine solche Formulierung findet sich im ersten Korintherbrief zuvor nicht. Es heißt wörtlich (11,18): „Denn fürs erste, wenn ihr als Versammlung zusammenkommet, …“. Folglich können wir diese und die folgenden Verse eindeutig der Versammlung zuordnen. Es geht um Anordnungen für das Mahl des Herrn (11,20). Paulus spricht auch von „vorschreiben“ (11,17).
Man kann den ersten Korintherbrief ganz grob wie folgt einteilen: Von Kapitel 1,1 bis 11,16 geht es um „Gemeinschaft“. Bei aller Gemeinschaft miteinander werden die Aussagen überragt von der Gemeinschaft mit dem Sohn. Nach 1Kor 1,9 heißt es sogar wörtlich „Gott ist treu, durch welchen ihr berufen worden seid in die Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn.“
Der Sohn Gottes ist also selbst „Gemeinschaft“. Diese Gemeinschaft reicht bis 1Kor 11,16. Beispielsweise finden wir die Formulierung: „Dennoch ist weder die Frau ohne den Mann, noch der Mann ohne die Frau im Herrn.
“ (1Kor 11,11). Ab 1Kor 11,17 bis 1Kor 14 geht es darum, „als Versammlung zusammen zu kommen“. Man findet 7 Erwähnungen im NT. Alle in 1Kor 11 und 1Kor 14. Die erste hier in 1Kor 11,17. Hier sei ein kurzer Einschub erlaubt: warum finden wir genau an dieser Stelle das Kapitel über die Liebe (1Kor 13)? Natürlich sind wir als Kinder Gottes angesprochen. Aber insbesondere sind wir als Versammlung betroffen. Haben wir als Geschwister unserer Versammlung Liebe untereinander? Werden wir daran erkannt? Es folgen die Ausführungen zur Auferstehung in Kapitel 15 und praktische Fragen mit dem Schluss in Kapitel 16.
Wir kommen an einem Ort zusammen (1Kor 11,20). Das sind idR unsere Räumlichkeiten in der Wasserburger Landstraße. Dieses Zusammenkommen ist primär ein Zusammenkommen zum Mahl des Herrn. Es ist auf keinen Fall „das Mahl des Herrn essen“. Obwohl wir schon das Brot essen, drückt Paulus hier aus, dass es kein Essen ist, an dem man sich sättigen kann. Das schien in der Tat eine Unsitte bei den Korinthern gewesen zu sein. Seine Aufforderung ist sogar, doch bitte zu Hause zu essen und zu trinken, um nicht hungrig oder trunken zur Versammlung zu kommen (1Kor 11,21.22). Sonst würden die Geschwister beschämt, die vielleicht gar keine Möglichkeit für eine angemessene Mahlzeit haben.
Nun empfängt Paulus vom Herrn die eigentlichen Anordnungen für das Mahl des Herrn (1Kor 11,23f). Unser Herr selbst hat mit seinen Jüngern das letzte Passah gefeiert. Während des Abendessens (Passah) nahm der Herr Brot (Mt 26,26ff). Nicht, um weiter zu essen, sondern um Erinnerung zu bitten. An Ihn selbst.
Für Judas war bei diesem Erinnerungsmahl kein Platz. Beim Abendessen war er zu Beginn noch dabei (Joh 13,30). Aber er ging alsbald hinaus. In die Nacht. Hier brauchen uns die Ausführungen aus Lk 22,14-23 nicht zu beunruhigen. Dazu folgt noch eine eigene Antwort.
Offenbar hat Paulus die Textpassage aus Kapitel 11 den Korinthern schon zuvor mündlich überliefert. Erstens sagt dies der Text. Zweitens sollte die Versammlung zu Korinth ja auch wissen, wie man sich beim Mahl des Herrn zu verhalten hat. Dennoch wird in der Abfolge des ersten Korintherbriefes das Mal des Herrn erst hier eingeführt und erklärt. Der Inhalt des Mahles des Herrn ist zum ersten das Gedächtnis an den Sohn. „Dies tut zu meinem Gedächtnis.“ (1Kor 11,24b). Allein schon diese wenigen Verse zeigen, wie ich vor dem Herrn erscheine: dankbar, demütig, zur Ruhe gekommen und so gut es geht aufgeräumt. Wir sind nicht sündlos, aber begnadigt. Und haben das, was in unserer Macht steht, in Ordnung gebracht. Der Herr spricht in 1Kor 11,24a von „seinem Leib“.
Wir essen schon ein Stück von einem gebackenen Brot. Aber es ist mehr als das. Dieses Brot ist ein Bild auf den Leib des Herrn. Es ist nicht der Leib selbst, aber ein Gegenbild. Das Gleiche gilt für den Kelch.
Nun folgt zum zweiten eine zusätzliche Passage im Vergleich zu den Ausführungen in den Evangelien. „Denn so oft ihr dieses Brot esset und den Kelch trinket, verkündiget ihr den Tod des Herrn bis er kommt. “ (1Kor 11,26). Das erinnert uns an Offb 22,17: „Und der Geist und die Braut sagen: Komm!“. Dies tun wir gemeinsam, insbesondere beim Mahl des Herrn, als Teil der Leibesgemeinde Jesu. Wem verkündigen wir nun den Tod des Herrn? Uns, der unsichtbaren Welt und vor allem unserem Herrn selbst.
Der Text wendet sich nun zu ermahnenden Aussagen (1Kor 11,27). Sind wir würdig? Oder essen und trinken wir unwürdiglich? Häufig hört man die Ermahnung, nicht an Sünde festzuhalten. Dies finden wir jedoch in unserem Text so nicht. Deshalb macht es Sinn, der Frage nachzugehen, wann ich mich würdig verhalte und wann unwürdiglich? Die griechischen Worte lauten „axios“ und „anaxios“. Das „würdig“ finden wir nur wenige Male in der Schrift, das „unwürdiglich“ genau einmal (je nach Übersetzung noch ein zweites Mal in Vers 29). Eine sehr gute Antwort auf die Frage gibt Eph 4,1-3: „wandelt würdig der Berufung, mit der ihr berufen worden seid, mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut, einander ertragend in Liebe, euch befleißigend, die Einheit des Geistes zu bewahren in dem Bande des Friedens.“. In dieser Einstellung wollen wir das Brot essen und den Kelch trinken. Darin ist sicher auch subsummiert, uns bezüglich eines möglichen sündigen Verhaltens durch unseren Herrn korrigieren zu lassen.
Nun wollen wir aber unsere Geschwister mit folgenden Worten ermuntern: Das Brot zu essen und den Kelch zu trinken ist ein Vorrecht für Kinder Gottes und eine große Freude. Wer unwürdiglich isst und trinkt, macht sich jedoch schuldig. Wörtlich heißt es: „wird des Leibes und Blutes des Herrn schuldig sein.“ (1Kor 11,27b). Wir machen uns also schuldig gegenüber unserem Herrn. Dies ist nicht einfach so zu verstehen, als hätte ich mich nur unglücklich verhalten. Sondern ein solches „schuldig machen“ zieht Konsequenzen nach sich. Eine Parallele findet sich in Jak 2,10: „Denn wer irgend das ganze Gesetz halten, aber in einem straucheln wird, ist aller Gebote schuldig geworden.“. Dort ist es Trennung von Gott. Hier im ersten Korintherbrief sind es „Schwache, Kranke und ein gut Teil Entschlafener“ (1Kor 11,30). Deshalb ermahnt uns Paulus (besser, man sagt, der Heilige Geist), „dass wir uns selbst prüfen sollen“ (11,28). Wer prüft? Jeder einzelne Bruder sich selbst, jede einzelne Schwester sich selbst. Wer prüft nicht? Die verantwortlichen Brüder der örtlichen Versammlung. Sie prüfen nicht. Auch die Versammlung prüft den einzelnen Bruder und die einzelne Schwester nicht. Dies wird mitunter anders praktiziert. Wir teilen aber als verantwortliche Brüder unserer Versammlung diese Sicht nicht.
An dieser Stelle wollen wir auf ein pragmatisches und sicher sinnvolles Vorgehen hinweisen: Wenn ein Bruder oder eine Schwester zum ersten Mal beim Mahl des Herrn dabei sein möchte und auch von Brot und Wein nehmen will, dann ist es hilfreich, wenn es zuvor mit dem einen oder anderen Bruder ein vorbereitendes Gespräch gibt. Nicht, um einen Prüfungsparcour durchlaufen zu müssen, sondern um unsere Sicht auf das Mahl des Herrn noch einmal nahe zu bringen. Schließlich ist es auch eine Freude bereitende Nachricht für die ganze Versammlung, wenn sie zu Beginn einer Stunde erfährt, dass ein Bruder oder eine Schwester heute das erste Mal dabei sein möchte. Zurück zu der Prüfung, die jedem einzelnen der Geschwister selbst obliegt: Was folgt auf diese Prüfung? Die Bibel sagt mit 1Kor 11,28b: „und also esse er von dem Brote und trinke von dem Kelche.“. Die Folge ist also, dass wir essen und trinken. Die Variante, nicht zu essen und nicht zu trinken, kommt im Text gar nicht vor. Also ist es das Anliegen unseres treuen Herrn, dass wir alle von dem Brot essen und von dem Kelch trinken.
Nun dürfen wir nicht vorschnell sein oder gar oberflächlich. Wir denken an die Folgen eines unwürdiglichen Handelns. Die Bibel sagt sogar: „Denn wer isst und trinkt, isst und trinkt sich selbst Gericht, indem er den Leib nicht unterscheidet.“ (11,29). Wir müssen uns also bewusst sein, dass wir nicht einfach nur ein Stück Brot und Wein vor uns haben, sondern dass es Bilder sind auf den Leib des Herrn und auf das Blut des Herrn. Wir überlegen uns somit ganz praktisch, was uns davon abhält, das Brot zu essen und den Kelch zu trinken. Können wir unseren Zustand ändern. Sind wir bereit dazu. Wenn ja, dann tun wir dies bald. Und sind beim nächsten Mal freudig und aktiv bei der Mahlfeier dabei. Wenn nein, dann warten wir noch ab. Ist der Zustand ein dauerhafter, prüfen wir uns auch dahingehend, ob wir am Sonntag nicht besser zur zweiten Stunde kommen. Diese Geschwister sind uns herzlich willkommen. Wenn uns aber die Lieder, die Bibeltexte, die Gebete in der ersten Stunde (also bei der Mahlfeier) so ansprechen und wir alleine durch unsere Anwesenheit unserem Herrn danken möchten, dann sind uns die Geschwister ebenso herzlich willkommen.
Unser Anliegen ist es seit Jahren gewesen, dass die Geschwister, die in die erste Stunde kommen, auch das Brot essen und den Kelch trinken. Wir wollten somit auch sichtbar eine Einheit bilden. Es ist uns aber auch bewusst, dass es davon Ausnahmen geben wird und geben muss. Zum einen ist es die zuvor beschriebene Situation. Dann kommen manchmal Gäste, die wir nicht kennen. Wir erklären ihnen, wenn es anders nicht möglich ist auch in der Versammlung, dass wir zunächst ein klärendes gemeinsames Gespräch haben wollen. Zum Wohl und zur Sicherheit von ihnen selbst. Aber auch um sicher zu stellen, dass das Mahl des Herrn wiedergeborenen Kindern Gottes vorbehalten ist.
Und manchmal kommen auch Geschwister zu uns, die zum Mahl des Herrn ein anderes Verständnis haben. Wir wissen, dass ihnen die Ordnungen bekannt sind. Wir laden sie auch ein, mit uns das Brot zu essen und den Kelch zu trinken und damit gemeinsam den Tod des Herrn zu verkündigen. Sie werden sich auch selbst prüfen. Sie kommen aber meistens zu dem Ergebnis, dass ihnen dies seitens ihrer Heimatgemeinde nicht erlaubt ist. Selbstverständlich respektieren wir, wenn sie dann Brot und Kelch an sich vorübergehen lassen. Natürlich sind sie uns ebenso herzlich willkommen.
Zusammenfassend und wiederholend:
Wir legen Wert darauf, dass sich ein jeder selbst prüft. Dabei vertrauen wir darauf, dass sich der Bruder und die Schwester auch bewusst sind, was sie tun. Wir reichen somit während der Mahlfeier auch grundsätzlich jedem Bruder und jeder Schwester das Brot und den Kelch. Es sei denn, Brüder oder Schwestern haben schon zuvor klar gemacht, dass sie nur als Gast dabei sein wollen. Wir fühlen uns andererseits nicht gerufen, Brüdern oder Schwestern das Brot und den Kelch vorzuenthalten! Es werden sicher Geschwister kommen und um Rat bitten. Und wir helfen in diesen Fällen gerne. Wir haben aber auch Situationen gehabt, in denen wir einen Bruder oder eine Schwester gebeten haben, erst zur zweiten Stunde zu kommen. Wir waren in diesen ganz wenigen Ausnahmen der Annahme, dass eine objektive Selbstprüfung durch eigene, besondere Lebensumstände gar nicht stattfinden
konnte. Unser Anliegen sollte es trotz allem sein, mit allen Geschwistern unserer Versammlung und nicht nur mit denen, die üblicherweise zur ersten Stunde kommen, den Tod unseres Herrn zu verkündigen. Es sind nun sicher nicht alle Fragen zum Mahl des Herrn abgedeckt, aber hoffentlich die uns derzeit drängenden.
cg-mo, 28.01.2023
Christliche Gemeinde München Ost
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