Gibt es eine Erklärung, weshalb Joseph und Maria zwischen den Begebenheiten aus Mt 1,18-25 und Lk 2,4-7 nicht geheiratet haben?

 

Es gibt zu den Textstellen verschiedene Situationen, die bis zum Vollzug der Ehe zu unterscheiden sind. Es beginnt mit der Verlobung. Es folgt die Hochzeit (wir lesen z.B. von der Hochzeit zu Kana; über eine Hochzeit von Joseph und Maria berichtet die Bibel jedoch nicht konkret). Dann nimmt der Mann seine Frau in die häusliche Gemeinschaft und schließlich kommen sie geschlechtlich zusammen.

 

Bis zur Hochzeit wird das Paar auf alle Fälle als Verlobungspaar bezeichnet. Das kann aber auch, je nach Sichtweise, bis zum Vollzug der Ehe mit der geschlechtlichen Gemeinschaft der Fall sein.

 

Lk 1,26.27 spricht von der "Jungfrau Maria", die "dem Joseph verlobt war". Mt 1,18 zeigt zunächst auch das Verlobungspaar, geht dann aber über zu der Schwangerschaft der Maria, "ehe sie zusammengekommen waren". Also bevor die Ehe als Ehepaar vollzogen wurde. Die Verse 19 und 20 erwähnen bereits Joseph als "ihren Mann" und Maria als "seine Frau". Der Engel überzeugt Joseph von dem Wunder der Zeugung durch den Heiligen Geist in der Maria und teilt Joseph mit, "er solle sich nicht fürchten, Maria, seine Frau, zu sich zu nehmen", also in die häusliche Gemeinschaft.

 

Joseph tat, wie ihm befohlen wurde. Aber er erkannte seine Frau bis zur Geburt des Jesuskindes nicht (Mt 1,24.25). Er kam mit ihr also geschlechtlich noch nicht zusammen. Das führt bei Lk 2,5 zu der Aussage, dass Joseph "mit seiner verlobten Frau" auf dem Weg nach Bethlehem war.

 

Es ist also nicht die Frage, warum Joseph und Maria zwischen den Begebenheiten (siehe Titelfrage) nicht geheiratet haben, sondern wann sie geheiratet haben. Das war entweder dazwischen oder sogar davor.

ds